• Veröffentlichungsdatum : 28.03.2025

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Über Kriege und wie man sie beendet. Zehn Thesen

Jörn Leonhard

Jörn Leonhard

Über Kriege und wie man sie beendet. Zehn Thesen

Verlag: C. H. Beck, München, 2023

208 Seiten

ISBN: 978 3 406 80898 2

18,00 €

Krieg ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte. Das gilt – Gott sei Dank – auch für den Frieden, der nach kriegerischen Ereignissen folgt. Die Frage: „Wie macht man Krieg?“ ist relativ einfach zu beantworten. Die Frage: „Wie macht man Frieden?“ ist schon deutlich komplexer. Die aktuelle Situation im Nahen Osten, aber auch der Ukraine-Krieg zeigen das in einer erschreckenden Weise. Auch dort weiß niemand, wie ein „echter Friede“ – mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg – tatsächlich aussehen könnte. Vor allem wenn dieser anhalten und nicht lediglich den Charakter eines längeren Waffenstillstands haben soll.

Jörn Leonhard, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg, widmet sich in dem Werk „Über Kriege und wie man sie beendet“ der gleichlautenden Frage. In zehn Thesen (Kapitel) stellt er einen theoretischen Rahmen vor, der eine Grundlage dafür bieten kann, wie Kriege beendet und Friede geschaffen werden kann. Alle Kapitel beginnen mit einer historischen Einführung, in der Leonhard in wenigen Absätzen seine Basisüberlegungen darstellt, die er danach näher erläutert. Dieser Ansatz macht den Text nicht nur interessant und angenehm lesbar, sondern bietet auch passende problemorientierte Einstiege, die bereits Lösungsansätze beinhalten.

Die zehn Thesen, die den Kern der Darstellung bilden sind als Grundsätze formuliert, die es sich lohnt aufzuzählen:

  1. Krieg und Frieden: Die Natur des Krieges bestimmt sein Ende
  2. Kontingente Dynamik: Echte Entscheidungsschlachten sind selten, und je länger ein Krieg dauert, desto schwieriger wird seine Kontrolle
  3. Die Suche nach dem richtigen Ausgang: Ein „fauler Frieden“ kann den Krieg verlängern
  4. Das lange Ende: Wer noch Chancen auf dem Schlachtfeld sieht, wird den Kampf fortsetzen, solange es geht
  5. Planung und Prognose: Verfügbare Ressourcen bestimmen den Kippmoment von Kriegen, aber nicht unbedingt die Einsicht der Akteure
  6. Verlängerte Waffenstillstände: Nicht jeder Krieg endet mit einem formalen Frieden
  7. Die Ambivalenz der Zeichen: Es gibt keinen Frieden ohne Kommunikation, und wer die Besiegten demütigt, macht den Frieden zum Waffenstillstand
  8. Fallhöhe und Desillusionierung: Den Frieden mit Erwartungen zu überfordern, kann die Schatten eines Krieges verlängern
  9. „Doing peace“: Wenn die Verträge unterschrieben sind, beginnt die Arbeit am Frieden
  10. Paradoxe Enden: Nicht jeder Sieg ist ein Gewinn, und manche Niederlage wird zur Chance

Die Relevanz von Jörn Leonhards Aussagen zeigen sich vor allem dann, wenn sich der Leser mit den Thesen und dem Inhalt der Kapitel beschäftigt. Eines sei gleich vorweg bemerkt: Die Auseinandersetzung mit diesem Buch lohnt sich. Es ist nicht nur flüssig und gut lesbar geschrieben, sondern vermittelt historisches und sicherheitspolitisches Allgemeinwissen in einem – leider – noch immer relevanten Bereich. Damit bietet dieses Werk Information und Problemlösung in einer „unterhaltsamen“ (im Sinne von interessant) Weise an. Darüber hinaus zeigt es, wie wichtig das Verständnis von Geschichte für die Lösung der Probleme der Gegenwart und der Zukunft ist.

-keu-

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