• Veröffentlichungsdatum : 03.03.2025
  • – Letztes Update : 03.04.2025

  • 18 Min -
  • 3540 Wörter

AIRPOWER24 Backstage

Gerold Keusch & Selina Lukas & Marcel Taschwer

Die AIRPOWER ist ein großes Spektakel. Das zeigt sich nicht nur an der Show, die den Besuchern dort geboten wird. Einblicke hinter die Kulissen der Organisation offenbaren, wie viele Zahnräder bei dieser Veranstaltung ineinandergreifen und wie unterschiedlich deren Aufgaben sind.

Auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg fand von 6. bis 7. September 2024 die größte Airshow Europas statt – die AIRPOWER24. Mehr als 200 Luftfahrzeuge aus über 20 Staaten waren im Einsatz. Hunderttausende Besucher bewunderten die Show und die Piloten, die in der Luft und auf dem Boden ihr Können zeigten.

„Die AIRPOWER hat so viel Atmosphäre und bringt einem so viel Freude. Das ist extrem leiwand!“, sagte eine begeisterte Besucherin. „Es ist atemberaubend und ein Privileg, dass man das in Österreich und beim Bundesheer machen darf“, meinte ein anderer Gast. Um eine Veranstaltung wie die AIRPOWER durchzuführen und solche Reaktionen hervorzurufen, sind unzählige Stellen und Personen involviert. In Tausenden Stunden erledigen sie eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben im Bereich des Veranstaltungsmanagements und der damit verbundenen Logistik. Beispiele dafür sind die Organisation der Unterkünfte und der Verpflegung für die Mitarbeiter der AIRPOWER, der Aufbau der Zelte für die Aussteller oder die Sicherheitsorganisation für den geordneten Zutritt auf das Gelände. Um die Komplexität dieser Veranstaltung zu zeigen, werden folgende Bereiche beleuchtet:

  • Akkreditierung;
  • Unterkunft und Verpflegung;
  • Veranstaltungsgelände inklusive Stromversorgung;
  • Verkehr;
  • Kontrolle und Sicherheit;
  • Displaydirektor;
  • Einsatzzentrale;
  • Sanitätsversorgung;
  • Social Media;
  • Merchandise;
  • Nachhaltigkeit.
     

 Akkreditierung

Damit die AIRPOWER gelingt und ein Zahnrad in das andere greifen kann, ist, neben einer umfassenden und detaillierten Planung, jahrelanger Erfahrung und der Offenheit für Innovationen, vor allem motiviertes Personal nötig. 2024 waren etwa 6 200 Mitarbeiter im Einsatz. Knapp 3 800 kamen aus dem Bereich des Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV) – 3 351 davon Soldaten, 846 aus der Miliz. Diese Zahlen unterstreichen, dass die AIRPOWER eine Aufgabe des gesamten Verteidigungsressorts ist, bei der im Rahmen der allgemeinen Einsatzvorbereitung geübt wird, was auch in einem Einsatz notwendig ist.

Insgesamt waren für die AIRPOWER24 etwa 6 800 Personen akkreditiert. Um diese große Anzahl zu administrieren, gab es das Akkreditierungsbüro. Dort wurden in den Wochen und Monaten vor der Veranstaltung unzählige Datenbanken, der so genannte Organisationsplan, mit Namen und Informationen befüllt. Egal ob es sich dabei um Soldaten oder Zivilbedienstete des BMLV handelte, um Mitarbeiter von Fremdfirmen, den Partner Red Bull oder sonstiges externes ziviles Personal – alle mussten in diesem Organisationsplan erfasst werden.

Dieses Prozedere war die Voraussetzung dafür, dass die Mitarbeiter ihre Zutrittskarten mit den jeweiligen Berechtigungen erhielten und die ihnen zugewiesenen Bereiche betreten konnten. Der Zutritt zu diesen wurde, vor allem in den heiklen Bereichen wie der Flightline, streng kontrolliert. Das war nicht nur aus Sicherheitsgründen notwendig, sondern sollte auch gewährleisten, dass jeder „auf seinem Platz“ war.
 

Unterkunft und Verpflegung

Die Personen, die bei der AIRPOWER arbeiteten, kamen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus dem Ausland. Somit konnten nicht alle jeden Tag nach Hause fahren und benötigten eine Unterkunft, was eine wesentliche Herausforderung war. Bereits im Vorfeld wurden nach einer Bedarfserhebung durch die Organisationselemente bei etwa 110 Unterkunftsbeistellern Zimmer angemietet. Insgesamt war ein Bedarf von etwa 4 000 Betten abzudecken. 55 Unterkünfte befanden sich im Nahbereich von etwa 15 km, 25 waren zwischen 15 und 30 km entfernt, die restlichen noch weiter weg.

Der bekannte Bundesheer-Spruch: „Ohne Mampf kein Kampf“, galt ebenfalls für die mehr als 6 000 Mitarbeiter der AIRPOWER24, die verpflegt werden mussten. In diesem Bereich war eine lange Planungsphase nötig, die bereits im Dezember 2023 begann. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde der Speiseplan erstellt und es erfolgten die ersten Absprachen mit Lieferanten, damit die Lebensmittel in ausreichender Menge pünktlich geliefert werden konnten.

Der Speiseplan war vielseitig und ausgewogen – mit einem Schwerpunkt auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Dabei war zu bedenken, dass die Mitarbeiter aus diversen Gründen unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten hatten. Auch das galt es zu berücksichtigen, damit jeder satt werden konnte – das war bei dem großen Verpflegsstand keine leichte Aufgabe. Spannend war die Zusammenarbeit des Küchenpersonals, das für dieses Event aus dem gesamten Bundesgebiet kam, sich oft nicht kannte und eine gemeinsame Aufgabe zu bewältigen hatte. Dieser Umstand traf aber auch auf andere Bereiche der Organisation zu und ist ein besonderer Mehrwert dieser Veranstaltung für das Bundesheer.

Veranstaltungsgelände

Der Großteil des Besucherbereiches auf dem Veranstaltungsgelände ist normalerweise eine Wiese. Dass auf dieser während des Events zahlreiche Zelte, Container und Tribünen standen, lag in der Verantwortung des Pionierbataillons 2 aus Salzburg. Konkret waren es die Soldaten der Pionierbaukompanie, knapp 100 Männer und Frauen, die dort bereits in den Wochen davor gearbeitet hatten. Dazu setzten sie schwere Pioniermaschinen wie Radlader, Teleskoplader, Kompaktlader, Bagger von 2,7 bis 20 Tonnen, Kräne von 26 bis 150 Metertonnen und Faltstraßengeräte ein.

Eine Herausforderung für die Pioniere war die Zusammenarbeit mit den vielen Stellen, die an der AIRPOWER24 beteiligt waren. Neben den Dienststellen der Luft- und Landstreitkräfte waren das ebenfalls zivile Vertragsfirmen. Mit diesen galt es, sich zu koordinieren, wann wo welcher Arbeitsschritt erfolgen musste, und dass die richtigen Mittel mit der richtigen Personenanzahl am richtigen Ort bereitstanden.

Ein Beispiel dafür sind die knapp 200 Container, die von den Pionieren aufgestellt wurden. Dabei reichte es nicht, diese nur zu platzieren. Einige hatten Holzkonstruktionen z. B. für Stiegen, alle benötigten Strom, manche einen Wasser- oder Kanalanschluss. Nach der Veranstaltung mussten die Container wieder abgebaut werden. Deshalb blieben die Pioniere noch auf dem Fliegerhorst, als der letzte Besucher schon lange zu Hause war. Viele spezielle Elemente, wie die Holzstiegen, werden für die nächste AIRPOWER benötigt. Dazu mussten diese gelagert und dokumentiert werden, wodurch zusätzliche Arbeitsschritte nötig waren.

Stromversorgung

Auf dem Eventgelände gab es unterschiedliche Einrichtungen. Stände mit Erfrischungen, WC-Anlagen, Container für Sanitäter, Presse etc. sowie LED-Wände, Lautsprecher und vieles anderes mehr. Sie alle benötigten Strom. Um diesen dorthin zu „bringen“, gab es den Energieversorgungstrupp in der Stärke von zehn Personen. Insgesamt sieben Wochen war dieser vor Ort. Vier Wochen – de facto bis zum Ende der Veranstaltung – wurde aufgebaut. Sofort danach begann der Abbau, der etwa drei Wochen dauerte. In dieser Zeit arbeiteten die drei Unteroffiziere, fünf Chargen und zwei Rekruten täglich von der Früh bis zum Abend.

„Unser Auftrag ist es, die Stromversorgung im Eventbereich sicherzustellen – vom Tischverteiler bis zum Starkstromanschluss“, sagte der stellvertretende Kommandant des Energieversorgungstrupps. Vier Seecontainer mit Kabeln, Verteilern und anderem Material standen ihm und seinen Kameraden zur Verfügung, um mehr als 20 km Kabel zu verlegen. Den Strom lieferten 18 fixe Verteilerkästen, der von dort aus an die Bedarfsträger verteilt wurde. Dabei gab es viele Herausforderungen für den Energieversorgungstrupp. „Wir mussten – trotz einer gediegenen Planung –  häufig spontan reagieren und rasch Lösungen finden“, sagte der Unteroffizier. Die Voraussetzung dafür sind Fachwissen, Flexibilität und jahrelange Erfahrung in diesem Tätigkeitsbereich, vor allem Einsatzerfahrung im In- und Ausland.

Verkehr

Großveranstaltungen sind eine verkehrstechnische Herausforderung, da die lokale Verkehrsinfrastruktur nicht auf diese Menschenmassen ausgelegt ist. Staus können nicht vermieden, lediglich verkürzt werden. Um den erwarteten Besuch von bis zu 300 000 Gästen (150 000 pro Tag) rund um das Veranstaltungsgelände zu bewältigen, gab es für die AIRPOWER ein eigenes Verkehrskonzept. Das Ziel war, Staus auf den Zufahrtsstraßen und dem höherrangigen Straßennetz (Bundesstraßen und Autobahnen) zu verringern.

Das Konzept basierte auf den Erfahrungen der vorhergegangenen Flugshows, wurde aber für 2024 deutlich überarbeitet. Der Fokus lag auf der Erweiterung und Attraktivierung des Öffi-Angebotes. Dazu gab es eigene Buslinien mit Hunderten Zustiegsstellen und angemietete Züge. Neben dem Bahnhof Zeltweg wurden auch jene in Judenburg und in Knittelfeld mit Bussen angefahren und Shuttledienste eingerichtet. Zusätzlich gab es einen verdichteten Regel-Zugverkehr.

Für Gäste, die mit dem eigenen Fahrzeug anreisten, war eine optische Verkehrsleitung mit Ordnern eingerichtet, um rasch und einfach zu den Parkplätzen in Gehdistanz zum Gelände zu gelangen. Einige Straßen durften nur von Anrainern, Shuttlebussen und Motorrädern befahren werden. Wer aus dem Süden kam, musste das Fahrzeug entfernt abstellen und per Shuttlebus weiterfahren. Im obersteirischen Kraubath gab es eine Park-and-Ride-Anlage, von der ebenfalls Busse mit Besuchern zur AIRPOWER fuhren. Für Motorräder und Fahrräder standen Abstellflächen im Bereich Zeltweg Mitte zur Verfügung. Side-Events nach den Flugshows sollten die Gäste dazu einladen, länger zu bleiben, damit nicht alle zeitgleich abreisten.

Bei der Veranstaltung zeigte sich, dass die Verkehrsplanung funktionierte. Besucher, die sich an die Empfehlungen der Veranstalter hielten und früh anreisten und/oder später abreisten, konnten sich lange Staus ersparen. Jene, die in die Rushhour der An- und Abreise gelangten, standen – je nach Parkplatz und Fahrtstrecke – eine Stunde oder sogar noch länger im Stau. Das galt sinngemäß für die An- und Abreise mit den Öffis, die außerhalb der Stoßzeiten ebenfalls besser funktionierten.
 

Kontrolle und Sicherheit

Für die Kontrolle an den Eingangsbereichen zum Veranstaltungsgelände waren etwa 550 Soldaten eingesetzt. Diese waren Milizsoldaten des Jägerbataillons Wien 1 „Hoch- und Deutschmeister“, die vom Militärkommando Steiermark unterstützt wurden. An drei Gates warteten die Besucher, bis sie ab 0800 Uhr das Gelände betreten durften. Auch danach riss der Zustrom nicht ab. Um diesen zu bewältigen, gab es an den Gates Vereinzelungsanlagen (Gate 1: 55, Gate 2: 135 und Gate 4: 65 Anlagen). Dort wurden die Personen und ihr Gepäck durchsucht, wobei die Soldaten verbotene Gegenstände wie Messer abnahmen, diese in Säcken sammelten und danach entsorgten. Zusätzlich hielten sich Militärpolizisten an den Gates bereit, um bei Problemen rasch eingreifen zu können.

Am Samstag (zweiter Veranstaltungstag) standen ab 1100 Uhr die meisten Personen bei den Gates, und die Wartezeit betrug etwa eine halbe Stunde. Um 1400 Uhr war die Kapazitätsgrenze des Besuchergeländes beinahe erreicht, und es hatten sich etwas mehr als 145 000 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände eingefunden. Das war das Maximum am Samstag, am Freitag lag man – aufgrund des Schlechtwetters am Vormittag – darunter. Die Kapazitätsgrenze von 150 000 wurde nie überschritten und die behördlich festgelegte Grenze immer eingehalten. Ab 1500 Uhr kamen de facto keine neuen Besucher mehr an, und die Abreise der ersten Gäste hatte bereits begonnen.

Das Kommando des Jägerbataillons befand sich auf einem Damm beim Gate 3. Von dort aus sah man auf die Gates 3 und 4 sowie auf die Bundesstraße im Süden. Beim Kommando liefen im Halbstundentakt die Meldungen zusammen, wie viele Personen gekommen bzw. gegangen waren, wodurch die Zahl der Gäste immer aktuell und bekannt war. Das Jägerbataillon war so eingesetzt, dass je eine Kompanie (1. bis 3. Jägerkompanie und Stabskompanie) für ein Gate verantwortlich war. Zusätzliche Kräfte befanden sich auf dem Bahnhof und der Bundesstraße. Wenn die Gates unterschiedlich stark ausgelastet waren, leiteten die Soldaten auf der Bundesstraße die Besucher so um, dass sich diese auf die Gates aufteilten.

Für die Sicherheit und Ordnung im Veranstaltungsgelände waren die Militärpolizei und die Polizei verantwortlich. Sie führten Rundgänge durch und waren an einigen neuralgischen Punkten positioniert und sichtbar. Die Militärpolizisten trugen – alleine durch ihre Präsenz – dazu bei, dass die Veranstaltung weitgehend ruhig verlief. Kleinere Zwischenfälle, beispielsweise durch Betrunkene, lassen sich bei Großveranstaltungen nie völlig vermeiden, können so aber deutlich reduziert werden.
 

Displaydirektor 

Für die Koordinierung der Flugshow und die sichere Durchführung des Flugbetriebes war die Militärflugleitung mit den Air-Traffic-Controllern verantwortlich. Diese befand sich im zehnten Stock des Towers. In diesem Hochsicherheitsbereich war auch der Displaydirector der AIRPOWER. Er war für den fliegerischen Ablauf der AIRPOWER verantwortlich und somit für das Programm, das die Zuseher in Zeltweg begeistern sollte.

„Ich habe versucht, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen“, sagte Displaydirektor Oberstleutnant Thomas Ploder. Dabei sollte die gesamte fliegerische Palette der Flugshow so interessant wie möglich präsentiert werden. „Konkret wechseln sich schnelle Luftfahrzeuge mit langsamen, laute mit leisen, alte mit neuen, aber auch Helikopter mit Flugzeugen und Kunstflugteams mit Einzeldisplays ab.“ Der gesamte Ablauf war exakt geplant, damit es keine längeren Pausen gab. Die Teams in der Luft arbeiteten quasi überschlagend – ein Team wartete, während das andere noch in der Luft war, ein anderes zurückrollte, wieder ein anderes die Motoren abstellte und anderswo Triebwerke gestartet wurden.

Insgesamt dauerte diese Planung länger als ein Jahr. In den Monaten und Wochen vor dem Event begann die Detailplanung, da erst dann endgültig feststand, wer tatsächlich zur AIRPOWER24 kommen würde. Das war vor allem für das fliegende Display bedeutend. Ploder war nicht zum ersten Mal Displaydirektor. Seine Aufgabe blieb dennoch herausfordernd und abwechslungsreich. Schließlich gibt es bei jeder Flugshow neue Teilnehmer aus dem militärischen oder dem zivilen Bereich, die aus verschiedenen Staaten kommen – mit unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen.

So wollten einige Teams mit Rauch fliegen, andere wollten Flares einsetzen. Das galt es zu berücksichtigen und zu koordinieren, was aufgrund der Erfahrung des Displayteams gut funktionierte. Eines war für den Oberstleutnant, der vor einigen Jahren noch als Pilot einer Saab 105 über die Zeltweger Piste donnerte, klar: „Die Gäste müssen sich keine Sorgen machen, dass es bei der AIRPOWER langweilig wird!“
 

Einsatzzentrale

Ein paar Stockwerke tiefer im Tower befand sich das organisatorische Herzstück der AIRPOWER: die Einsatzzentrale. Die zentrale Aufgabe dieser Stelle, bei der alle Informationen zusammenlaufen, war es, im Worst Case (Absturz eines Luftfahrzeuges in die Zuseher) rasch zu handeln. „Wenn es raucht, stinkt, brennt und die Menschen schreiend durcheinanderlaufen, ist es meine Aufgabe, das Chaos zu überblicken und jene Maßnahmen zu setzen, um dieses so rasch und geordnet wie möglich zu beherrschen“, erklärte der Leiter der Einsatzzentrale. Der Worst Case und somit der Ausgangspunkt für die Vorbereitungen auf diesen war die „Ramstein-Katastrophe“ in Deutschland im August 1988. Damals stürzten drei Flugzeuge ab, wobei die Wrackteile einer Maschine das Publikum trafen und 70 Menschen starben. Diese war der Maßstab und der Grund, warum es in allen Bereichen sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen gibt.

Bei einer Katastrophe gilt es, nach unten und zur Seite zu koordinieren sowie zu synchronisieren, aber auch den Air Chief bzw. den Kommandanten der Task Force zu informieren, um jene Befehle zu erhalten, die dann umzusetzen sind. Damit das im Worst Case funktioniert, gab es Anfang Juli 2024 ein dreitägiges Planspiel mit allen relevanten Elementen – mehr als zehn. Das Militärkommando Steiermark, das die zivil-militärische Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltungsbehörde und den Blaulichtorganisationen durchführte, und das Stabsbataillon, das mit Personal und Gerät unterstützte, waren die zwei wesentlichsten Verbandselemente, wenngleich es nicht ohne die anderen ging.

In der Woche vor dem Event fand noch eine eintägige Übung statt. Bei dieser letzten Abstimmung wurde der Ablauf für den Worst Case verfeinert. Dabei stand vor allem die Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft Murtal als zuständige Behörde sowie der Landespolizeidirektion und anderen Blaulichtorganisationen im Zentrum. Die AIRPOWER24 war eine sichere Veranstaltung. Kleine Hoppalas sind aufgrund der Größe des Events normal, zusätzlich war man für alle Eventualitäten gerüstet. „Wenn es hart hergeht, sind wir sofort einsatzbereit, da alle Beteiligten gut ausgebildet und vorbereitet sind!“, war der Leiter der Einsatzzentrale überzeugt.
 

Sanitätsversorgung

Auf dem gesamten Veranstaltungsgelände waren im Bereich der Sanitätsversorgung mehr als 300 Personen im Einsatz, darunter 75 Ärzte und 190 Sanitäter. Sie kümmerten sich um die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit der Besucher. Dazu hatten sie mehrere Container, die mit medizinischem Gerät ausgestattet waren. Zusätzlich waren sie auf dem Veranstaltungsgelände präsent, um im Fall der Fälle rasch helfen zu können. Gerade wenn die Temperaturen in Richtung 30 °C gehen, was am Samstag der Fall war, ist dieser Aspekt wichtig. Schließlich birgt heißes Wetter die Gefahren, dass manche Besucher zu wenig trinken bzw. essen oder auf Sonnencreme und Kopfbedeckung vergessen, weil sie sich auf die Show konzentrieren.

Aufgrund der hohen Anzahl an Personen vor Ort können auch andere Notfälle eintreten, die nicht unmittelbar mit der AIRPOWER im Zusammenhang stehen. Beispielsweise erlitt ein Besucher vor einigen Jahren einen Herzinfarkt auf dem Gelände. Auch in solchen Fällen ist rasch Erste Hilfe sichergestellt. Die Patienten werden dann notärztlich versorgt und bei Bedarf einer weiteren Behandlung zugeführt. Die große Anzahl an Sanitätspersonal begründet sich vor allem darin, dass bei einer Flugshow auch größere Unfälle mit Luftfahrzeugen passieren können. Besonders bei einem Massenanfall von Verletzten ist es wichtig, alle Betroffenen rasch und professionell medizinisch zu versorgen.
 

Social Media

Angie war das „Social-Media-Gesicht“ der AIRPOWER24. „Ich möchte die Atmosphäre und die Begeisterung der Besucher vor Ort weitergeben, vor allem für Flugfans, die nicht vor Ort sein können“, sagte sie. Die Soldatin aus Vorarlberg war ein Teil des neunköpfigen Teams im Newsroom, in dem Medienexperten des Ressorts arbeiteten. Sie filmten und interviewten Besucher, Piloten, das Bodenpersonal, aber auch viele andere Personen vor Ort, um einen möglichst breiten und authentischen Eindruck von der Veranstaltung zu vermitteln.

Die Recherche, das Sammeln von Material, das Filmen, Schneiden und andere Tätigkeiten dieses Aspektes der Öffentlichkeitsarbeit begannen nicht mit der Veranstaltung am Freitagmorgen und sie endeten auch nicht, als der letzte Flieger gelandet war. Die ganze Woche und teilweise schon davor, war das Medienteam des Verteidigungsressorts vor Ort. Es begleitete die Aufbauarbeiten auf dem Gelände und das Anlanden der Luftfahrzeuge ebenso wie den Abbau.

Die Recherche, das Sammeln von Material, das Filmen, Schneiden und andere Tätigkeiten dieses Aspektes der Öffentlichkeitsarbeit begannen nicht mit der Veranstaltung am Freitagmorgen und sie endeten auch nicht, als der letzte Flieger gelandet war. Die ganze Woche und teilweise schon davor, war das Medienteam des Verteidigungsressorts vor Ort. Es begleitete die Aufbauarbeiten auf dem Gelände und das Anlanden der Luftfahrzeuge ebenso wie den Abbau.
 

Merchandise

Bei der AIRPOWER24 gab es 17 Merchandise-Stände. Dort konnten Besucher Gehörschutz, T-Shirts und sogar Klappsessel im AIRPOWER-Look kaufen. „Bereits zweieinhalb Jahre vor der AIRPOWER beginnen wir mit der Organisation der Merchandise-Artikel“, sagte der für diesen Bereich zuständige Offizier. Die lange Vorlaufzeit ist einfach erklärt: „Es gibt zahlreiche Arbeitsschritte, die alle viel Zeit benötigen.“ Das begann bei der Ideenfindung zu den Produkten, ging über die Formulierung der Ausschreibung, über die Prüfung der Muster bis zur kaufmännischen Vergabe der vielen unterschiedlichen Aufträge. Nachdem die Ware angekommen, überprüft und inventiert war, wurde diese in einem Lager aufbewahrt.

Während der AIRPOWER wuchs das Merchandise-Team auf acht Personen an, die „nur“ für die Logistik der Artikel zuständig waren. Der Verkauf an den Ständen erfolgte von gemeinnützigen Vereinen aus der Region, die dafür eine Provision erhielten. Die Einnahmen gingen an das Finanzministerium. Was passierte mit den Waren, die nicht verkauft wurden? „Die Reste der Artikel der AIRPOWER24 verkaufen wir bei der nächsten“, sagte der Offizier, weshalb es keine Produkte mit Jahreszahlen gibt. Für Sammler ist es dennoch interessant, bei jeder AIRPOWER ein neues T-Shirt zu kaufen, da jede Veranstaltung „ihre“ Farbe hat. Der Verkaufsschlager sind die Patches. Diese wurden zwar erst am Samstag ab 0800 Uhr verkauft, waren aber kurz danach bereits vergriffen.
 

Nachhaltigkeit

Auf dem Fliegerhorst erinnerte wenige Tage nach der Veranstaltung beinahe nichts mehr an die AIRPOWER. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Flugshow für die Umwelt – die Natur und die Menschen vor Ort – eine Belastung war. Diese so gering wie möglich zu halten, ist für den Naturschutz wichtig und ein Gebot des Respektes. Bei der AIRPOWER22 konnten die CO2-Emissionen um knapp 20 Prozent reduziert werden, dieser Trend sollte bei der AIRPOWER24 fortgesetzt werden. Detail am Rande: Etwa 25 Prozent des CO2-Ausstoßes kommen von den Luftfahrzeugen, der Rest von den Besuchern (Verkehr) und der Veranstaltungslogistik.

„Nachhaltigkeit hat einen regionalen, einen ökologischen und einen sozialen Aspekt“, sagte der Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit bei der AIRPOWER. Seine Aufgabe war es, den Teilprojektleitern in allen Bereichen den Nachhaltigkeitsaspekt näherzubringen – vom Aufbau über die Durchführung bis zur Nachbereitung. Regional war beispielsweise die Verpflegung, da Getränke und Lebensmittel aus der Umgebung kamen, so gut dies möglich war. Die ökologische Komponente zeigte sich beispielsweise darin, dass viele Besucher aufgrund des Verkehrskonzeptes und der Kooperation mit der ÖBB vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisten. So konnten mit dem Verkehr verbundene Emissionen reduziert werden.

Die AIRPOWER wird mit jeder Veranstaltung nachhaltiger. Die Basis dazu ist eine breite und valide Datenlage mit beinahe 4 000 Datensätzen. Die Datensätze zum Verhalten der Besucher zeigen unter anderem, wie viele Busse oder Züge diese benötigten. Um ein nachhaltiges Event zu gewährleisten, muss an vielen kleinen Schrauben gedreht werden. So sollten die Mitarbeiter weniger mit Autos fahren und stattdessen E-Scooter, Fahrräder oder Busse benutzen oder ihre Unterkünfte näher bei Zeltweg sein. „Es gibt sehr viele kleine Maßnahmen und sehr viel Mikro-Management“, sagt der Offizier. Ob die Bemühungen erfolgreich waren und es gelungen ist, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, zeigt der Nachhaltigkeitsbericht zur AIRPOWER, der einige Monate nach der Veranstaltung veröffentlicht wird.
 

Fazit

Die dargestellten Aspekte zeigen nur einen Teil der gesamten Veranstaltungsorganisation der AIRPOWER. Sie unterstreichen jedoch den Wert dieser Veranstaltung für die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres. So lässt sich der Aufbau des Veranstaltungsgeländes mit dem Aufbau eines Camps bei einem Auslandseinsatz vergleichen, während die Versorgung der Mitarbeiter mit Verpflegung aufgrund ihrer Anzahl der Stärke einer Brigade entspricht. Arbeitsfelder wie CIMIC oder die Stabsarbeit konnten ebenfalls in einem speziellen Szenario – der AIRPOWER – real tätig werden und so „im Einsatz üben“. Schließlich war diese Flugshow keine Übung, und alles, das vor Ort geschah, hatte eine konkrete Auswirkung.

„Nach der Veranstaltung ist vor der Veranstaltung!“, lautet ein bekannter Spruch. Diese Aussage gilt auch für die AIRPOWER, wenngleich die Taktung intensiver wird, je näher das Event heranrückt. Danach werden die gesammelten Daten und Erfahrungen – was gut geklappt hat und wo für die nächste Veranstaltung Veränderungen oder Verbesserungen nötig sind – zusammengefasst, evaluiert und Schlüsse daraus gezogen. Diese Erkenntnisse sind die Basis für die nächste AIRPOWER, die 2026 stattfinden soll und, wie in den Jahren zuvor, einem begeisterten Publikum erneut eine einzigartige Flugshow bieten soll.

 

Hofrat Gerold Keusch, BA MA; Leiter Online-Medien in der Redaktion TRUPPENDIENST

Kommissärin Selina Lukas, Bakk. Phil MA; Referentin in der Abteilung Eigene Medien

Major Marcel Taschwer, BA MA; Pressesprecher BMLV


Dieser Artikel erschien im TRUPPENDIENST 1/2025 (402).

Zur Ausgabe 1/2025 (402)


 

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